Wie funktioniert ein Linsenteleskop?

Das Licht tritt vorn durch das Objektiv ein. Am hinteren Ende betrachten Sie das Bild durch ein Okular, häufig mit einem abgewinkelten Zwischenstück für einen bequemeren Einblick. Der Fachbegriff für diese Bauart ist Refraktor.

Ein Refraktor kommt normalerweise ohne regelmäßige Spiegeljustierung aus. Das ist für den Einstieg angenehm. Ein langer Tubus stellt allerdings Anforderungen an Stativ und Montierung: Beim Scharfstellen darf das Bild nicht länger zittern, und hinter dem Gerät brauchen Sie genug Platz zum Sitzen.

Warum zeigen manche Linsen Farbsäume?

Glas bricht Licht verschiedener Farben unterschiedlich stark. Ein achromatisches Objektiv kombiniert Linsen, um diesen Unterschied zu verringern. Ganz verschwinden die Farbsäume dabei nicht. Besonders bei kurzen achromatischen Teleskopen können helle Objekte einen violetten oder blauen Rand zeigen.

Aufwendigere apochromatische Optiken korrigieren diese Farbunterschiede stärker. Sie sind jedoch eine andere Preisklasse. Für die Kaufentscheidung ist wichtiger, welche Ziele Sie beobachten und welche Bildfehler Sie dabei stören, als die Bauart pauschal als gut oder schlecht zu bezeichnen.

Wie funktioniert ein Newton-Spiegelteleskop?

Ein großer Spiegel am hinteren Tubusende sammelt das Licht. Ein kleiner zweiter Spiegel lenkt es seitlich zu einem Okular nahe der Vorderseite. Deshalb stehen oder sitzen Sie beim Newton an einer anderen Stelle als beim Refraktor.

Die Spiegel müssen zueinander ausgerichtet sein. Diese Justierung heißt Kollimation. Sie lässt sich mit geeigneter Anleitung und einer Justierhilfe überprüfen und bei Bedarf korrigieren. Nach häufigem Transport lohnt die Kontrolle besonders.

Dobson bezeichnet vor allem den Unterbau

Ein Dobson verwendet meist eine Newton-Optik auf einer niedrigen, drehbaren Basis. Sie schieben den Tubus von Hand nach oben, unten und zur Seite. Die einfache Konstruktion ermöglicht eine große Spiegelöffnung, ohne dafür eine schwere Stativmontierung zu benötigen.

Ein Boden-Dobson braucht Platz zum Schwenken und Lagern. Ein Tisch-Dobson ist kleiner, benötigt aber eine feste erhöhte Unterlage. Ein leichter Gartentisch kann die Vorteile der stabilen Basis durch sein eigenes Wackeln zunichtemachen.

Eine Entscheidung anhand zweier vorhandener Geräte

Das Celestron DX 102AZ ist ein Linsenteleskop mit Stativ. Es muss normalerweise nicht regelmäßig justiert werden, kann bei hellen Zielen aber Farbsäume zeigen. Das StarSense 130 Tabletop besitzt dagegen einen größeren Hauptspiegel und keinen entsprechenden Farbfehler des Objektivs; dafür verlangt die Newton-Optik gelegentlich Spiegeljustierung und die Tischbasis eine stabile Unterlage. Keines dieser Merkmale entscheidet allein über „besser“ oder „schlechter“. Der Vergleich wird erst sinnvoll, wenn Sie wissen, wo und was Sie beobachten möchten.

Und was sind Maksutov und Schmidt-Cassegrain?

Maksutov- und Schmidt-Cassegrain-Teleskope verwenden sowohl Spiegel als auch ein optisches Korrekturelement aus Glas. Sie sind deshalb keine bloß „anders zusammengebauten Newtons“. Ihr gefalteter Lichtweg ermöglicht oft lange Brennweiten in kurzen Tuben. Wegen der Bauweise unterscheiden sich Gesichtsfeld, Tauanfälligkeit und Temperaturverhalten vom offenen Newton – ohne dass sich daraus eine pauschale Rangfolge ableiten ließe.

Das ist für Mond und Planeten sowie begrenzten Raum interessant. Die gesamte Stellfläche hängt trotzdem vom Stativ ab. Die geschlossene Optik braucht nach einem Temperaturwechsel Zeit, bis sie ruhig abbildet; außerdem kann die Frontfläche beschlagen. Große Sternfelder sind wegen der langen Brennweite weniger leicht vollständig zu überblicken.

Was passt zu Ihrem Alltag?

Ein kleines Linsenteleskop ist interessant, wenn Sie wenig einstellen möchten und einen unkomplizierten Aufbau suchen. Ein Newton-Dobson lohnt sich, wenn viel Öffnung für die visuelle Beobachtung wichtig ist und Sie Platz sowie Bereitschaft zur gelegentlichen Spiegeljustierung mitbringen.

Ein kurzes Spiegel-Linsen-Teleskop kann passen, wenn Mond und Planeten im Vordergrund stehen und ein langer Tubus unpraktisch wäre. Ob die Montierung manuell bewegt wird oder Motoren hat, ist eine zusätzliche Entscheidung. Die Optik allein legt die Bedienung nicht fest.

Vergleichen Sie deshalb immer das vollständige Set: Unterbau, Einblickhöhe, mitgelieferte Okulare und Transportweg gehören ebenso zur Auswahl wie der Durchmesser der Optik.

Die DX-102AZ-Analyse und die 130-Tabletop-Analyse zeigen die Unterschiede an zwei vollständigen Sets.

Björn Graudejus de Olio

Autor und Redaktion

Björn Graudejus de Olio

Ich unterrichte Technische Physik und habe im Master Ingenieurpädagogik den Schwerpunkt Physik gewählt. Hier erkläre ich, wie Teleskope funktionieren und worauf es bei der Auswahl ankommt.

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